Maintal: Von Straßenbau zur Lebenswelt – radikale Verkehrswende, Freiraum am Mainufer & Mitwirkung 🌿🚲🏙️👥🎨

Maintal beteiligt sich seit 2018 am Bund-Länder-Förderprogramm „Wachstum und Nachhaltige Erneuerung“, um Dörnigheims Straßen, Plätze und Freiflächen klimafreundlich aufzuwerten. Der Schwerpunkt liegt auf dem Backesweg und der Bahnhofstraße, eine Machbarkeitsstudie wird vorbereitet, die Bürgerinnen und Bürger sollen sich beteiligen; die Umsetzung wird für 2026 bis 2028 vorgesehen. Bauliche Schritte betreffen auch Freiflächen am Mainufer und einen Mehrgenerationenspielplatz an der ehemaligen Fähre; Käthe-Jonas-Platz wurde bereits aufgewertet; die Finanzierung erfolgt zu gleichen Teilen durch Bund, Land Hessen und Stadt Maintal; eine Beteiligungsveranstaltung am 3. September lädt zur Mitwirkung ein.

In dieser Meldung zeigt sich der Kern eines Epochalumschlags, der nicht einfach Straßen­rappen erweitert, sondern ein neues, menschliches Stadtmodell sucht: Der Verkehr wird nicht länger dominieren, das Lenkungszentrum der Stadt wird zur Lebenswelt der Menschen, der Jungen, der Älteren, der Bewohnerinnen und Bewohner, der Arbeiterinnen und Arbeiter, der Künstlerinnen und Lehrerinnen. Wenn Bahnhofsstraße, eine Zone mit Wohnbebauung, zu einer sicheren, klimafreundlichen und lebensdienlichen Achse werden soll, dann geht es um viel mehr als das Anlegen von Radwegen oder das Pflanzen von Bäumen. Es geht um eine grundsätzliche Umordnung des öffentlichen Raums zugunsten von Sicherheit, Zugänglichkeit und Freude am Leben im Stadtteil. Die geplante Begrünung und die Reduzierung der Versiegelung sind kein bloßes Schönwetterprojekt, sondern eine soziale Frage: Wer hat Zugang zu angenehmen Räumen? Wer profitiert von einer behutsamen, zugleich mutigen Verkehrswandlung?

Wir brauchen keine Schönwetter-Planung, sondern eine radikale, kollektive Bewegung hin zu einer Stadt, in der das Fahrrad nicht als Nischentouristenverkehr gilt, sondern als Lebensnerv der Quartiere. Die Forderung nach sicheren Radwegen, breiteren Gehwegen, Schatten durch Bäume und einer auf Menschen ausgerichteten Straßenführung muss Hand in Hand gehen mit der Stärkung des öffentlichen Raums als Lern- und Begegnungsort. Daraus erwachsen Chancen für schulische und außerschulische Bildung: Kunst- und Bildungsprojekte können zu einem integralen Bestandteil der Straßenentwicklung werden, indem Lernorte außerhalb der Klassenzimmer geschaffen werden, an denen Kinder, Jugendliche und Erwachsene lernen, diskutieren, gestalten und Verantwortung übernehmen. Die Lokale Partnerschaft, Beiräte, Fraktionsvorsitzende und alle lokalen Akteurinnen und Akteure sind berufen, zu Mitgestaltern einer Stadt zu werden, die nicht vorrangig konsumtiv, sondern gemeinschaftlich-produktiv gedacht wird.

Die Meldung betont die Verknüpfung von Straßenbau mit Freiraumgestaltung am Mainufer und dem Mehrgenerationenspielplatz – Vorhaben, das die Stadt zu einem solidarischen Lern- und Lebensraum machen kann. Wenn der Backesweg Bäume verliert und der Radweg auf einem zu schmalen Gehweg entlangläuft, darf dies kein Hinweis auf Stillstand sein, sondern eine Aufforderung zum Widerstand gegen die Verödung städtischer Räume zugunsten des Profits oder reiner Effizienz. Wir fordern daher, dass die Machbarkeitsstudie nicht nur Kosten-Nutzen-Analysen absegnet, sondern klare Leitlinien für Naherholung, faire Erschließung aller Quartiere, barrierefreien Zugang, Bürgernähe und öffentliche Kunst- sowie Lernformate festlegt. Die Beteiligung am 3. September ist wichtiger erster Schritt, doch echte Veränderung erfordert Transparenz, kontinuierliche Mitsprache und die Bereitschaft, Ergebnisse sichtbar umzusetzen, auch wenn konfliktreiche Debatten geführt werden müssen.

Maintal hat die Chance, sich als Vorbild sozial-ökologischer Stadtentwicklung zu positionieren: eine Stadt, in der Fähre und Fußweg, Fahrradweg und Baumzeile zusammenwirken, um das Klima zu schützen, die Lebensqualität zu erhöhen und das städtische Miteinander zu stärken. Wir träumen von einer Maintal-Urbanität, in der urban art, Bildungsprojekte und gemeinschaftliche Planung Hand in Hand gehen, in der jede Straße zu einem Lernraum wird und die Bürgerinnen und Bürger echte Mitbesitzerinnen und Mitbesitzer ihrer gemeinsamen Zukunft sind. Lasst uns deshalb die Beteiligung nutzen, um eine Stadt zu schaffen, in der menschliches Maß und ökologischer Sinn über den flüchtigen Profit gestellt werden – eine Stadt, die solidarisch, lärmfrei, grün und lebendig ist, eine Stadt, in der jeder jeden grüßt, weil alle gemeinsam daran arbeiten, Maintal von Grund auf neu zu gestalten.