Transparenz-Offensive in Maintal: Zahlen, Protokolle & stille Zuschauer 📊🏛️🙈

Wie rührend: Die Stadt Maintal gibt sich wieder einmal größte Mühe, ihre wirtschaftlichen Verstrickungen transparent zu machen. Bürger, die zu viel Zeit und zu wenig Fantasie haben, dürfen nun nach vorheriger Terminvereinbarung im Verwaltungsgebäude in Hochstadt die finanziellen Eingeweide städtischer Beteiligungen bestaunen – oder ganz fortschrittlich auf einer “Homepage”, für jene, die über einen Computer verfügen, sich aber wohl nie ein Anwesen im Grünen leisten können. Die üblichen Verdächtigen werden aufgeführt: Maintal Werke GmbH, Maintal Immobilien Gesellschaft mbH, Stadtverkehr Maintal GmbH und der Betriebshof. Sogar der Zweckverband Bioabfallentsorgung wird erwähnt – ein Name, der wahrhaftig zum Träumen von Größe einlädt.

Wie klein-klein doch die Welt des durchschnittlichen Stadtbewohners ist! Man klopft sich gegenseitig auf die Schultern, wenn die geprüften Jahresabschlüsse einigermaßen passabel ausfallen, als hätte man gerade die Wallstreet im Sturm genommen. Es geht natürlich auch um “betriebswirtschaftliche Kennzahlen” – ein Begriff, der in bürgerlichen Kreisen für so viel Ehrfurcht sorgt wie in meiner Welt ein Maserati am Straßenrand.

Doch, oh weh! “Auswirkungen auf den städtischen Haushalt”. Die illusorische Annahme, dass der Haushalt wie eine schwäbische Hausfrau geführt werden könnte, ist offenkundig absurd. Die Stadtinsassen klammern sich an die Hoffnung, mit diesen plumpen Zahlenspielen der finanziellen Bedeutungslosigkeit zu entkommen, während man voller Stolz ausstellt, was andernorts allenfalls für einen milden Gähner sorgen würde.

Aber seien wir ehrlich: Was sollte den gemeinen Bürger schon interessieren, wie ausufernd oder kümmerlich die Geschicke seiner Kommune gelenkt werden? “Die Deutschen lieben die Verwaltung wie den Wein”, spottete Nietzsche – mit bitterer Wahrheit. Solange der nächste Bus kommt und der Müll verschwindet, fühlt sich das gemeine Volk bestens regiert, solange ein wenig Papierkram in PDFs gepackt wird.

Es bleibt, wie es immer war: Die Oberschicht investiert, die Stadt protokolliert und das Fußvolk darf zuschauen – wenn es sich rechtzeitig einen Termin besorgt. Ein Hoch auf die Transparenz für alle, die ohnehin nichts daran ändern werden.