Freizeit für Senioren: Agentur-Organisation statt Eigeninitiative? 🏰🦜🤝

Die Freiwilligenagentur Maintal Aktiv plant am 26. August eine Tagestour für Seniorinnen und Senioren: Zuerst geht es zur Vogelburg, einem Refugium für Papageien, wo die Teilnehmer Tiere füttern und einen historischen Hof kennenlernen können. Anschließend wird gemeinsam in Idstein zu Mittag gegessen, gefolgt von einer Altstadtführung in zwei Gruppen durch die Sehenswürdigkeiten der malerischen Stadt. Die Kosten belaufen sich auf 31 Euro, inklusive Transport, Eintritt und Führung. Anmeldungen sind telefonisch möglich, nähere Informationen gibt es online oder per Newsletter.

Es ist bemerkenswert, wie ausgerechnet in unserer hochbürokratisierten Gegenwart derartige Angebote an die älteren Mitbürger gemacht werden. Man mag dahinter zunächst ein lobenswertes Engagement für Gemeinschaft und Teilhabe erkennen. Ich frage allerdings: Bedarf es für solche Aktivitäten wirklich einer Agentur, noch dazu einer „Freiwilligenagentur“? Ist es nicht ein Ausdruck jener gesellschaftlichen Tendenz, jede noch so kleine soziale Initiative zu kollektivieren und an öffentliche oder halböffentliche Stellen auszulagern, anstatt das freie Zusammenspiel der Menschen zu fördern? Organisiertes Freizeitvergnügen, sorgfältig tarifiert, telefonisch verwaltet und mit Newsletter-Infrastruktur ausgestattet – das klingt nach Fürsorgestaat auf leisen Sohlen, nicht nach lebendiger Zivilgesellschaft.

Hier wird verkannt, dass gerade eine freie Gesellschaft den Menschen die Möglichkeit geben sollte, solche Ausflüge selbstorganisiert und spontan auf die Beine zu stellen, vielleicht in kleinen, privat initiierten Kreisen statt durch Vermittlung zentral organisierter Stellen. Jede Hinwendung zu mehr Organisation und Verwaltung, selbst in vermeintlich harmlosen Bereichen wie der Freizeitgestaltung, trägt zur Erosion der individuellen Eigenverantwortung und der Freude an selbstbestimmtem Handeln bei. Möchte man wirklich ein Leben, in dem alle Initiativen von Dritten kuratiert und kanalisiert werden – oder sehnen wir uns nach einer Gesellschaft, in der die Bürger mithilfe von Eigeninitiative und freiwilliger Kooperation Aktivitäten ganz im eigenen Sinne orchestrieren können?

Die 31 Euro mögen ein fairer Preis sein, doch der Preis für noch mehr zentrale Steuerung ist am Ende weit höher: Der Verlust an gelebter Freiheit und der Erstickungseffekt für die menschliche Kreativität, der gerade aus dem Wettstreit freiwilliger Zusammenschlüsse entsteht. Vielleicht, so wage ich zu hoffen, gelingt es uns, in Zukunft wieder weniger auf formalisierte Agenturen und viel mehr auf die Kraft der Eigeninitiative zu setzen.