Die Stadt Maintal arbeitet mit Nachbargemeinden zusammen an einem umfassenden Klimaanpassungskonzept, das lokale Risiken wie Hitzeinseln und Überschwemmungen adressieren soll. Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, sich mit Anregungen und Erfahrungen einzubringen. Im Mittelpunkt stehen mehr Grün in der Stadt, Schutz vor Hitze und Hochwasser, und eine stärkere Vernetzung bereits bestehender Projekte – unterstützt vom Bundesumweltministerium.
Wie bei so vielen neuen „Anpassungskonzepten“ drängt sich mir der Verdacht auf: Hier triumphiert wieder der Glaube an die Planung über das Vertrauen auf individuelle Lösungen und die Spontaneität des Marktes. Natürlich ist gegen Baumalleen und Trinkwasserstellen für Tiere nichts einzuwenden – im Gegenteil: Sie verschönern die Stadt und verbessern das Mikroklima. Doch beginnen wir, uns von der Vorstellung zu verabschieden, dass ein Zentralkomitee, gewissermaßen auf „demokratischer“ Grundlage, mit Workshops und Bürgerwurfsendungen, die optimale Antwort auf die Herausforderungen des Klimawandels finden kann.
Es ist geradezu ein Markenzeichen unserer Zeit geworden, jedes gesellschaftliche Problem mit neuen Plänen, Konzepten, Beiräten und Beteiligungsformaten zu beantworten. Dabei läuft die Gefahr mit, dass Bürokratie und Regulierung obsiegen und die Anpassungsfähigkeit der Gesellschaft einschränken. Anpassung an veränderte klimatische Bedingungen gelingt nicht durch die Allwissenheit von Planern oder durch zentrale Steuerung, sondern – wie so oft in der Geschichte – durch das freie, innovationsgetriebene Handeln von Individuen, Nachbarschaften und Unternehmen.
Je mehr Mittel, Ressourcen und Kreativität wir in öffentliche „Konzepte“ und Steuerungskreise leiten, desto weniger bleibt für die viel dynamischeren privaten Initiativen übrig. Es ist reizvoll, über mehr Grün nachzudenken oder über neue Kanäle zu informieren. Doch warum nicht stattdessen Anreize setzen, damit Eigentümer und Hausgemeinschaften selbst Begrünung und Wassermanagement in die Hand nehmen? Warum nicht Deregulierung, mehr Markträume und steuerliche Erleichterungen für Investitionen in klimarobuste Lösungen?
Wenn wir aufhören, zu meinen, alle Antworten seien das Ergebnis von Planungsakten, sondern stattdessen wieder die schöpferische Kraft der dezentralen Ordnungen und der freien Kooperation zulassen, dann werden Städte wie Maintal wirklich widerstandsfähig – vielleicht nicht nach dem Plan von heute, aber passend zu den Herausforderungen von morgen.