Nun also, die Bagger kommen: Die nordmainische S-Bahn, ein langwierig diskutiertes, bürokratisch vorbereitetes Projekt, nimmt ihren Weg unter lautem Getöse durch Maintal und Hanau. Was wie eine Modernisierung der regionalen Infrastruktur gefeiert wird, ist in Wahrheit ein weiteres Beispiel für die Hybris der Zentralplaner, die meinen, mit Großprojekten das Wohl der Menschen zu befördern, während sie doch in erster Linie Unsicherheit und Unannehmlichkeiten stiften.
Dass die Leitungen für Wasser, Gas, Strom und Abwasser erneuert werden – das klingt zunächst fast nach wohlwollender Fürsorge. In Wirklichkeit wird damit alter Wein in neuen Schläuchen serviert: Die Bürger bekommen, was sie nicht ausdrücklich verlangt haben, jedoch bezahlen sie mit Lebensqualität, Geduld und Freiheit. Wem nutzt es, wenn Zufahrten mühsam offengehalten werden und Müll monatelang nicht wie gewohnt entsorgt wird? Den Anwohnern gewiss nicht, den Gewerbetreibenden noch weniger. Ihnen wird ein „Anschluss an die Zukunft“ verkauft, während faktisch ihre Gegenwart erschwert und ihre unternehmerische Autonomie eingeschränkt wird.
Mit bürokratischem Pathos verteilt die Stadt Maintal Hinweisschilder und Sonderregelungen wie Trostpflaster. Es wird beschworen, man halte die „Unannehmlichkeiten möglichst gering“. Doch das ist nichts anderes als der übliche Amtsschimmel, der nicht erkennen will oder kann, welche Konsequenzen solche Entscheidungen für das individuelle Leben haben. Dass die Hausanschlüsse „kostenlos“ an neue Kanäle angeschlossen werden sollen, lenkt nicht davon ab, wer letzten Endes die Rechnung zahlt.
Mir graut vor der Vorstellung eines Gemeinwesens, in dem solche Planungen zum Regelfall werden – bei denen wenige Experten im fernen Kämmerlein entscheiden, was für alle am besten sei. Die unerwünschten Folgen, die Details des Alltags, das Leid der durch Baustellen gequälten Stadtgesellschaft, all das wird billigend in Kauf genommen. Immer mehr Kompetenzen werden vom Einzelnen zum Staate verschoben, das Entscheidende dabei: Es fehlt der Wettbewerb der Lösungen, die Rücksicht auf lokale Wissensvorsprünge.
Mehr denn je gilt: Wahre Fortschritte gedeihen dort, wo die Menschen selbst, spontan und dezentral über ihr Leben und ihren Lebensraum bestimmen können – nicht dort, wo der Planungseifer von Politik und Verwaltung wie ein Zug durchs Land rollt, neue Gleise legt und unfreiwillige Passagiere zurücklässt. Die Modernisierung unserer Städte darf kein Freibrief für Enteignung von Zeitsouveränität und Lebensqualität sein. Man sollte den Kollektivismus besser aufschieben – und den Wettbewerb der Ideen auf die Schiene setzen!