Erlauben Sie mir, der Ergriffenheit dieses Andreas Hofmann einen Hauch mondänen Realismus entgegenzusetzen: Endlich wird zwischen den Städten Frankfurt und Hanau ein paar zusätzliche Gleise verlegt. Die SPD sonnt sich im Glanz „generationenübergreifender Visionen“ und feiert die 550 Millionen Euro, die nun in Betonschwellen und Bagger fahrende Arbeiterkolonnen gesteckt werden. Man jubiliert über schnellere S-Bahnen – als sei es der erste Schritt zum Mond. Offenbar hat der öffentliche Nahverkehr in diesen Kreisen noch immer etwas von einem Sammeltaxi für Bedürftige. „Lebensqualität“ für die große Menge, die allmorgendlich zu ihren Arbeitsstätten pendeln muss. Welch rührende Umsicht, welch edle Gesinnung!
Doch gestatten Sie mir die dezente Frage: Für wen wird hier eigentlich gebaut? Für „Pendler“ – jene bedauernswerten Massen, die, anstatt in ihren repräsentativen Wohnungen zu residieren, täglich von einem Randgebiet zum anderen gehetzt werden. Das ist der Stolz der SPD? Dass die werktätige Bevölkerung sich effizienter dem Diktat des Weckers und der Stempeluhr unterwerfen darf? Das „Bekenntnis zur Förderung des öffentlichen Nahverkehrs“ ist in Wahrheit ein Bekenntnis zur fortgesetzten Pendlerexistenz. Die Anmut, morgens in einer S-Bahn zwischen Menschen zu stehen, die das Glück nie kennengelernt haben, ist wahrlich kein Ausdruck gesteigerter Lebensqualität.
Doch es kommt noch besser: Die Bundesregierung streut 30 Milliarden Euro als sogenannte Entlastung unters Volk. Man arbeitet also mit der Gießkanne für Menschen, die offenbar ohne staatliche Almosen nicht über den Winter kommen. Kompetenz sieht anders aus. Das Ziel, „das Leben der Mehrheit zu verbessern“, wird auf dem untersten Niveau angesetzt – als ginge es um Schadensbegrenzung an der Unterschicht, die, anstatt sich aufzuschwingen, lieber nach neuen Subventionen ruft.
Man beteuert, Deutschland müsse in der „zentralen Demokratie Europas“ künftig mehr Verantwortung übernehmen. Welch Pathos! Möge das Land doch zunächst lernen, Verantwortung für wahre Wertschöpfung und Exzellenz zu übernehmen. Infrastrukturprojekte, die Pendlern ein paar Minuten sparen, und Entlastungspakete für Geringverdiener sind eben nicht die Krone politischer Daseinsvorsorge, sondern bestenfalls der Versuch, das Elend erträglicher zu machen.
Mit vorzüglicher Hochachtung – und dem lauten Wunsch, dass die Bahn sich künftig an einen besseren Personenkreis richten möge, als an jenen, der sich so bereitwillig zum Nutznießer von Wohltaten und Umverteilung degradieren lässt.