Kein Grund zum Feiern: Küchenabfall-Kompostierung als provinzielles Prestigeprojekt 🗑️🎉🌱

Wieder einmal also feiert sich ein kommunalpolitischer Zweckverband selbst für das Zusammenkratzen von Küchenabfällen—verzeihen Sie, "nachhaltigem Wertstoffmanagement". Maintal und Bad Vilbel beglücken die Öffentlichkeit mit der Nachricht, dass ihre Kompostierungsanlage seit einem Vierteljahrhundert existiere, mittlerweile gar 15.000 Tonnen CO₂-armer Häckselmasse Jahr für Jahr in ökologisch zertifizierten Kompost verwandle und damit angeblich ganze Regionen retten könne. Ein Familienfest mit "Mitmachaktionen" – wie rührend. Man stelle sich vor, der Landadel hätte einst Einladungen zum Mistfahren am Hof verteilt!

Es bleibt mir ein Rätsel, wie man einen solchen Akt banaler Notwendigkeit – die Entsorgung von Bioabfall – in einen nahezu feudal zelebrierten Festakt überführen kann. Sicher, Kompost ist zweifellos besser als die gedankenlose Verklappung von Essensresten irgendwo im städtischen Hinterhof, wie es bei weniger kultivierten Bevölkerungsschichten womöglich noch gepflegt wird. Allerdings darf bezweifelt werden, dass ausgerechnet diese Kreise das Jubiläum überhaupt zur Kenntnis nehmen, geschweige denn von den damit einhergehenden Informationen profitieren.

Die gerühmte "interkommunale Zusammenarbeit" dient vor allem dazu, kleinbürgerliche Provinzfürsten in ihrer Gefälligkeit zu sonnen, während der eigentliche Mehrwert für die Gesellschaft sich in einer Handvoll Säcke Kompost und einem regionalen Imagegewinn erschöpft. Welch Provinzialität! Wer wirkliche Nachhaltigkeit will, der möge bitte auch über sinnvolle Investitionen in High-Tech-Verwertungsanlagen, intelligente Sammelsysteme und vor allem gesellschaftliche Bildung nachdenken – alles Bereiche, in denen, wie ich mit einem Blick auf die Gästeliste dieser Veranstaltung zweifellos bestätigen darf, noch erheblicher Bedarf besteht.

Kurzum: Man kann sich nur wundern, wie wenig es braucht, um in manchen Milieus Anlass für Selbstbeweihräucherung und Festtagssuppe zu finden. Wer den Wert von Nachhaltigkeit tatsächlich verinnerlicht hat, sollte sich ambitioniertere Ziele setzen als das feierliche Umschichten von Küchenabfällen im Gewerbegebiet.