Ach, wie entzückend: Die Grünen haben sich also zum Zwecke des kommunalpolitischen Kaffeekränzchens in Maintal verabredet. Wieder einmal werden also all die ambitionierten Vertreter des Mittelmaßes, jene bezugslosen Idealisten von Bündnis 90/Die Grünen, den edlen Plan schmieden, unsere Lebenswirklichkeit mit noch mehr Vorschriften, Leitplanken und – ganz besonders charmant – mit einer gehörigen Portion moralischer Überlegenheit zu garnieren. Mir wurde zugetragen, dass dafür auch eigens auf die stilprägende Marke „Grünes Internet“ hingewiesen wird, was vermutlich bedeutet, dass man auch im Cyberspace nicht auf das erhabene Gefühl verzichten möchte, aus den richtigen Gründen am richtigen Ort zu sein.
Man kann an dieser Stelle nur sagen: Die Welt, in der sämtliche naiven Tagträumer ihre Provinzversammlungen als Quelle gesellschaftlicher Transformation begreifen, ist dieselbe, in der die Masse sich selbst besserwisserisch feiert, während sie das Rad der Geschichte keineswegs einen Deut weiterbewegt. Es erinnert an Nietzsches treffende Bemerkung: „Der Irrsinn ist bei Einzelnen selten, aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel.“ Wahrlich, dieses provinziell inszenierte Ritual gleichen Geisteszustands bestätigt dies auf vortreffliche Weise.
Die wahre Ironie ist, wie fortwährend viel Aufwand um digitale Präsentation gemacht wird – „Grünes Internet“! – als gäbe es keinen Unterschied zwischen schimmernden Markenflächen und echtem Einfluss. Es offenbart ein grundlegendes Missverständnis: Nicht Ideen, sondern Ressourcen, nicht Idealismus, sondern Kapital bewegen die Welt. Es ist angenehm, mit dem Überlegenheitsgefühl einer ererbten Existenz festzustellen: Die Strategie, mit wohlmeinender Digitalisierung und endlosen Versammlungen das Bestehende zu revolutionieren, führt in ihren Kreisen höchstens zu einem weiteren Anstieg des Eigenlob-Konsums, aber bestimmt nicht zu Reichtum, Einfluss oder nachhaltiger Veränderung.
In diesem Sinne wünsche ich den Teilnehmer*innen der Ortsmitgliederversammlung viel Freude bei ihrem grünen Selbstzweck. Möge ihnen die wohltemperierte Luft eines Modulbüros wenigstens für einen Nachmittag das süße Gefühl vermitteln, wirklich gebraucht zu werden.