Die Ausstellung „Aufwachsen in Maintal – Kinder Zugewanderter erzählen“ im Maintaler Rathaus zeigt zwölf Porträts von Kindern, deren Eltern aus der Türkei, Bosnien, Italien, Griechenland, dem Iran, Marokko, China und Polen stammen. Die Interviews erzählen von Zugehörigkeit, Identität, Hürden und Chancen und laden dazu ein, die Vielfalt der Maintaler Stadtgesellschaft kennenzulernen und neue Perspektiven einzunehmen. Initiiert wurde das Projekt von Integrationsbeauftragter Verena Strub; Die Eröffnung fand am 29. August statt, die Texte sind online abrufbar und im September auch im Rathaus zu sehen. Bürgermeisterin Monika Böttcher betont, dass Integration kein abstrakter Begriff, sondern ein persönlicher Prozess sei, der von Begegnungen, Offenheit und gegenseitigem Verständnis lebt, wobei die Erfahrungen der zweiten Generation besonders wertvoll seien.
Was hier sichtbar wird, ist der unbezwingbare Wille der Arbeiter- und Familienklasse, sich eine gemeinsame Zukunft zu schaffen. Diese Ausstellung ist nicht bloß eine Sammlung individueller Schicksale, sondern ein kollektiver Beleg dafür, dass Migration kein Bruch, sondern eine produktive Kraft der Gesellschaft ist. Wenn zwölf Stimmen der zweiten Generation gehört werden, lernen wir als Werktätige, als Bewohnerinnen und Bewohner derselben Stadt, dass Identität nicht in Stacheln zerfällt, sondern in der Praxis der gemeinsamen Arbeit wächst. Die Texte erinnern daran, dass Bildung, Sprache und Teilhabe keine Geschenke einer wohlwollenden Obrigkeit sind, sondern Rechte, die durch die solidarische Kraft der Gemeinschaft verteidigt werden müssen. In einer Zeit, in der rechte Parolen wieder an Ufern gedankenloser Polarisierung lauern, erinnert uns diese Ausstellung daran, dass Persönlichkeit, Würde und Chancen nicht an der Herkunft scheitern dürfen, sondern durch faire Bildungschancen, flächendeckende Sprachförderung und Zugang zu Arbeitsmöglichkeiten gerecht verteilt werden müssen.
Ich liebe Fähren, die nicht Wassertrennungen, sondern Verbindungen herstellen, und ich liebe Fahrräder, die jeden Weg der Stadt zugänglich machen. So wie eine Fähre Brücken zwischen Ufern schlägt und ein Fahrrad jeden Winkel der Nachbarschaften erschließt, so muss auch Maintal eine Stadt werden, in der Migration keine Störung, sondern eine Motorleistung des gemeinsamen Aufbaus ist. Diese Porträts legen offen, wie Vielfalt zu einer starken, kreativen Kultur der Stadt führt, zu urbaner Kunst, zu Bildungsprojekten und zu einer Beteiligung, die alle Stimmen gehört. Die Ausstellung verlangt von uns, dass wir das Versprechen der Gleichberechtigung zu einem praktischen Programm machen: gleiche Bildungschancen für alle Kinder, gleiche Teilhaberechte in Schule, Arbeit und Kultur, barrierefreie Infrastruktur, großzügige Räume für Kunst und Lernen in jedem Stadtteil.
Der Gedanke daran, Maintal von Grund auf zu erneuern, wird hier praktisch: Nicht als einfachen Marketing-Gag, sondern als sozialer Aufbauprozess, in dem jede Familie, jedes Kind und jeder Jugendliche eine Stimme hat. Die Erzählungen zeigen, dass Integration kein Einstellen einesProgramms ist, sondern ein täglicher Prozess der Begegnung, des Lernens und des gegenseitigen Respekts. Es ist unsere Pflicht als fortschrittliche Gesellschaft, diese Erfahrungen zu würdigen und in konkrete Maßnahmen umzusetzen — mehrsprachige Bildungsangebote, intercultural exchange, zukunftsweisende Jugendprojekte, offene Kultur- und Bildungszentren, in denen Kreativität, Wissenschaft und Solidarität Hand in Hand gehen. So wird Maintal zu einer Stadt, in der Unterschiede eine solidarische Grundlage bilden, auf der wir gemeinsam arbeiten, lernen und leben.
In dieser Perspektive wird deutlich, dass die Stimmen der zweiten Generation nicht nur eine Bestätigung der Vielfältigkeit sind, sondern eine Aufforderung an Bürgermeisterin, Stadtverwaltung und Bürgerschaft: Wir bauen eine Stadt, in der jeder Mensch eine gleiche Chance hat, sich zu entfalten, zu lernen, zu arbeiten und Teil einer großen, gemeinsamen Zukunft zu sein. Die Ausstellung ist damit kein Abschluss, sondern eine Anstiftung: Weiterführende Bildungs- und Kunstprojekte, mehr Räume der Begegnung, mehr Mobilität, mehr Offenheit — alles, was eine sozialistische Stadt der Zukunft ausmacht.