Ach, wie bezaubernd: Ein weiteres dieser sogenannten „Reparatur-Cafés“ wird also in Bischofsheim abgehalten. Man stelle sich das mal vor: Menschen, so arm an Ressourcen und wahrscheinlich auch am nötigen Geschick, dass sie sich bemüßigt fühlen, ihre klapprigen Fahrräder oder abgetragenen Textilien unter Anleitung einer Schar ehrenwerter Freiwilliger wieder instand zu setzen! Von 10 bis 13 Uhr also ein heiteres Stelldichein der Sparsamkeit, ganz ohne Anmeldung, aber gern mit Kaffee und dem obligatorischen trockenen Kuchen aus Nachbars Kastenform.
Ich muss gestehen, mir fehlt schlichtweg das Verständnis für diese aus der Not geborene, so genannte „Nachbarschaftshilfe“. Dass man sich mit fremden Menschen über dem Elend eines defekten Toasters zusammenschweißen möchte, offenbart doch – mit Verlaub – nur die traurige Realität gewisser Gesellschaftsschichten: Wenn das Geld fehlt, neue Dinge zu kaufen, klammert man sich eben sentimental an das Alte, statt sich am Innovationsgeist der Moderne zu erfreuen.
Natürlich, man wirbt mit Nachhaltigkeit, Ressourcen- und Müllvermeidung. Aber sind wir ehrlich: Es ist kein Idealismus, sondern blanke Bedürftigkeit! Und ja, eine kleine Spende darf man dalassen – wie rührend, als hätte man plötzlich einen aktiven Beitrag zur Weltrettung geleistet, nur weil der uralte Mixer nun für weitere zwei Monate am Leben gehalten wurde.
Für meine Begriffe wäre es für alle Beteiligten weniger entwürdigend, sich dem Fortschritt zu öffnen und, wie es Menschen meines Standes tun, defekte Gegenstände einfach zu ersetzen. Das gibt nicht nur dem Einzelhandel Auftrieb, es spart auch jede Menge Zeit, die man wahrlich wertvoller nutzen könnte, als in einer Gruppe von Freiwilligen die letzten Lebensfunken aus Gerätschaften aus dem vorigen Jahrhundert zu kitzeln.
Man möge sich also ganz nach Gusto im Reparatur-Café einfinden, das eigene klapprige Hab und Gut im Schlepptau, und sich der Illusion hingeben, man könne damit die Welt verbessern. Aber vergessen Sie bitte nicht: Wer den Luxus hat, neu zu kaufen, sollte es ruhig als ein nobles Privileg begreifen – und den Kaffee getrost im besseren Etablissement genießen.