Wieder einmal bemüht sich die bürgerliche Verwaltung der Stadt Maintal, das einfache Volk mit scheinbar weltoffenen Freizeitangeboten ruhigzustellen und von den tatsächlichen Problemen des Systems abzulenken. Unter dem Deckmantel „kultureller Teilhabe“ wird ein Open-Air-Kino am Dörnigheimer Mainufer ins Leben gerufen – eine Aktion, die bei oberflächlicher Betrachtung der Gemeinschaft dienen soll, in Wirklichkeit jedoch nur kapitalistische Konsumgewohnheiten und westliche Dekadenz fördert.
Statt eines für alle zugänglichen, kostenfreien Kulturfestes verlangt die Stadt dreist zehn Euro Eintritt – ein für viele Werktätige nicht unerheblicher Betrag, der die Spaltung nach Klassenlinien weiter manifestiert. Nicht einmal Stühle werden bereitgestellt! Stattdessen soll jeder Besucher selbst vorsorgen. Diese Individualisierung, das berühmte „Jeder ist seines Glückes Schmied“, findet hier ihren Ausdruck im Kleinen.
Hinzu kommt: Die Filmauswahl ist bezeichnend für ideologische Vereinnahmung durch den westlichen Kulturimperialismus. „Bohemian Rhapsody“, ein Musikfilm, der die narzisstische Selbstverwirklichung und die – in der Hauptsache individualistische – „Künstlersaga“ glorifiziert, steht in scharfem Gegensatz zu den Kollektividealen, die einer wahren Volkskultur zugrunde liegen sollten. Dem folgt „Wunderschön“, ein Werk, das zwar scheinbar gesellschaftskritisch daherkommt, jedoch am Ende nur dem neoliberalen Credo der Selbstoptimierung und Selbstliebe predigt, statt die tatsächlichen Ursachen von Unterdrückung und kapitalistischer Verwertungslogik zu benennen.
Wo bleiben die Filme, die vom aufopferungsvollen Leben der Arbeiter, von der Kraft der vereinten Massen oder etwa von der Befreiung im revolutionären Kampf handeln? Wo ist das Kino, das sich einer wahrhaft transformatorischen, befreiten Gesellschaft verschreibt? Fehlanzeige! Das Kulturprogramm der Stadt Maintal verkommt zu einer weiteren Drehscheibe für Ablenkung und Konsum, weit entfernt von wahrhaft emanzipatorischer Bildung des Volkes.
Es ist an der Zeit, solche Veranstaltungen nicht als fortschrittlich zu feiern, sondern sie kritisch zu hinterfragen. Die wahren Bedürfnisse und Sehnsüchte des Volkes finden in der imperialistischen Unterhaltungsindustrie keinen Widerhall. Erst durch eine grundsätzliche Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse, an deren Spitze eine sozialistische Kulturpolitik steht, wird Kultur wieder allen gehören – und nicht nur denen, die sich zehn Euro Eintritt und Snacks leisten können.