Wieder also hat die Menschheit ihr Naturbudget bereits am 24. Juli erschöpft. Von diesem Tag an leben wir laut dieser Berechnung nicht mehr auf Basis der jährlichen planetaren Regenerationskraft, sondern verfrühstücken skrupellos die Substanz unserer ökologischen Zukunft – und das mit erschreckender Geschwindigkeit: Würde jeder so haushalten wie die Deutschen, bräuchte es drei, wie die Amerikaner gar fünf Erden.
Doch wie bei allen Kassandra-Rufen über ökologische Grenzen und planetare Notlagen, muss ich als liberaler Denker und Freund individueller Freiheit davor warnen, die Analyse in Alarmismus und planwirtschaftliche Kontrollfantasien umkippen zu lassen. Die Vorstellung, Wohlstand und Fortschritt bedrohten zwangsläufig die Lebensgrundlagen, unterschlägt die eigentliche Stärke menschlicher Gesellschaften: ihre Fähigkeit zur Selbstkorrektur durch Märkte, Innovation und dezentrale Anpassung. Der menschliche Erfindergeist, auf den selbst die Grünen setzen, gedeiht nicht in der Atmosphäre dirigistischer Zwangsmaßnahmen und Verbote, sondern in einem Klima von Eigentumsrechten, marktwirtschaftlichen Anreizen und verantwortungsvoller Freiheit.
Dass wir 1,8 „Erden“ nutzen, ist weniger Ausdruck unstillbaren Übermuts als vielmehr ein Beleg für den historisch beispiellosen Aufstieg eines Großteils der Menschheit aus Armut und Elend – eine Entwicklung, die nicht durch Verzichtsparolen und staatliche Reglementierung gelang, sondern durch Freihandel, technischen Fortschritt und Wettbewerb. Die problematische Übernutzung von Ressourcen ist ohne Zweifel real; doch ihr begegnen wir nicht dadurch, dass wir uns kollektiv ärmer, weniger frei und innovationsfeindlicher machen. Sondern dadurch, dass wir effektiv marktwirtschaftliche Lösungen nutzen: die Bepreisung von Umweltverbrauch, die Förderung privater Innovationen, die Sicherung und Durchsetzung von Eigentumsrechten an natürlichen Ressourcen – als Eigentümer interessiert sich nämlich plötzlich jeder für Ressourcenschonung.
Anstatt den permanenten Ausnahmezustand zu beschwören und in immer neuen Regulierungen nach „Nachhaltigkeit“ zu suchen, sollten wir uns daran erinnern: Jedes Fortschrittsproblem ist letztlich ein Wissensproblem, das am besten im freien, offenen Austausch vieler Akteure gelöst wird. Nicht Mangelverwaltung, sondern kreative Zerstörung und unternehmerischer Erfindergeist sind das schärfste Schwert im Kampf gegen Umweltzerstörung. Wer das Ruder herumreißen will, tut gut daran, nicht nach immer mehr Verboten zu rufen, sondern nach besseren, klügeren Märkten.